Laubenpieper: Woher stammt der Begriff und was bedeutet er?

Laubenpieper

Wie viele Wörter der deutschen Sprache, hat auch das Wort ‚Laube‘ eine lange Geschichte, die zurückreicht nicht nur bis ins Mittelalter, sondern sogar bis zu den Römern. Allerdings hat das römische ‚laubia‘ etwas anderes bedeutet als das Wort ‚Laube‘ heute. Die Römer verstanden darunter eine Galerie oder einen Bogengang, wie er heute noch in manchen alten Städten, beispielsweise im schweizerischen Bern, zu sehen ist.

Laubenpieper: Woher hat der Begriff seinen Ursprung?

Mit der Zeit hat das Wort, wie so viele andere, einen Bedeutungswandel erfahren, und so ist aus dem Bogengang, der Arkade, ein Freiplatz geworden, im Allgemeinen im Garten, zumeist überdacht wie eben ein solcher von Bögen überdachter Wandelgang. Manch einer legt sich so einen Freisitz im Garten neben dem Eigenheim an, aber viele finden sich in den Gärten, die wir heute als Schrebergärten kennen. Deutsche Ordnung und Gründlichkeit haben dafür gesorgt, dass selbst bei so unscheinbaren Dingen die Gestaltung bis in Details geregelt ist.

So darf die Laube zwar überdacht sein, aber Wände darf sie nicht haben. Ein Gartenhäuschen oder gar eine Datscha, ist also etwas anderes. In der Laube darf einer sitzen, und es dürfen sich Gartengeräte darin oder besser: darunter befinden; Im Gartenhäuschen darf auch schon mal ein Stuhl oder ein Tisch stehen – nur dauerhaft darin aufhalten darf sich keiner. Da sei der Amtsschimmel vor!

Einst ein Spottname für Freizeitgärtner: Der Laubenpieper

Entstanden sind die Lauben als Bestandteile von Gärten, die wir heute als Schrebergärten kennen. Auch diese Gärten insgesamt haben eine geschichtliche Entwicklung durchgemacht. Einst hatte so gut wie jedes bäuerliche Anwesen seinen Garten ums Haus, während die kleinbürgerlichen Städter meist kaum über nennenswertes Gelände um ihr Heim verfügten. Die Landleute brauchten ihre Gärten, um sich mit Gemüse und Obst zu versorgen. Die Städter sahen auf die Bauern herab – aber wenn sie, was ja auch schon früher vorkam, einmal ihr Haus verloren, dann verloren sie alles. Der Bauer konnte sich selbst bei wirtschaftlichen Engpässen immer noch mit den Erträgen aus dem eigenen Garten über Wasser halten.

Irgendwann kam es dazu, dass sich die braven Städter Gärten zulegten, die dann aber, weil ums eigene Haus meist kein Platz war, ein wenig außerhalb am Stadtrand lagen. Das taten sie aus demselben Grund wie die Leute vom Land, aber auch, weil sich, vor allem ab dem 19. Jahrhundert, ein Hang zu Romantik und Gemütlichkeit breit machte. Gleichzeitig entstanden die ersten Vereine: Der Schrebergarten und der Schrebergartenverein waren geboren, und ein schön gestalteter, möglichst überdachter Sitzplatz gehörte natürlich dazu. So wurde neben dem Schrebergarten gleich noch die Laube geboren.

Dann passierte das, was oft bei solchen Geschichten passiert: Für diese Leute, die so exotischen Vergnügungen wie künstlichem Landleben, gepflegt in hübschen Gärten am Stadtrand, frönten, stellte sich ziemlich schnell ein Spottname ein. Weil die braven Bürger zumindest am Wochenende gerne unter ihrem Laubendach saßen und den lieben Gott einen guten Mann sein ließen, fingen sie sich die Bezeichnung „Laubenpieper“ ein.

Der Schrebergarten: Benannt nach einem, der gar nichts dafür kann!

Wie leicht zu erkennen ist, war und ist „Laubenpieper“ keine Ehrenbezeugung, sondern wenn schon nicht gänzlich abwertend, dann doch mindestens spöttisch gemeint. Wer das Wort benutzte, machte sich über die gut situierten Städter lustig, die sich als Landlords aufspielten. Das mit dem „Schrebergarten“ dagegen ist eine andere Sache. Die Wochenendgärtner suchten und fanden dann doch eine Art Ehrenbezeichnung für sich selber. Die leiteten sie von einem Mann her, der gar nichts dafür konnte, außer dass er einige gärtnerische Erkenntnisse beigetragen hatte. Von Beruf war er Hochschullehrer und Arzt, und die Leute verehrten ihn. Sein Name war Moritz Schreber.

Er stammte aus Leipzig, und nicht nur gelernte oder tatsächliche Ossies beziehen sich bis heute, wenn sie sich nicht als „Laubenpieper“ veralbern lassen wollen, entschieden auf ihn und nennen sich eben: Schrebergärtner. Was übrigens die Etymologie des Wortes Lauben-„Pieper“ angeht, so sind sämtliche versuchten Erklärungen erzwungen. Woher das Wort wirklich kommt – keiner weiß es. Wer etwas anderes behauptet, bei dem piept’s.

Bildquelle Titelbild:

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