Brennesseljauche selber machen: Anleitung und Wissenswertes

Brennesseljauche

Die Brennnessel – lateinisch Urtica – ist eine Gattung der Familie der Brennnesselgewächse. Ihre Verbreitung ist weltweit – mit Ausnahme der Antarktis. Brennnesseln wachsen besonders gut auf stickstoffreichem Boden. Es existieren unterschiedliche Arten. Manche von ihnen sind einjährig, andere kommen immer wieder. Die hierzulande wachsenden Brennnesseln werden 10 bis 300 cm hoch.

Brennesseljauche: Grundlegende Informationen

Schon alleine die Zusammensetzung des deutschen Wortes „Brennnessel“ verheißt nichts Gutes: Mit „Brenn“ assoziieren wir Schmerz, „Nessel“ stammt von „Nessos“, einer griechischen Gestalt der Mythologie ab, die was mit Gift zu tun hat. Kurz: Die Brennnessel hat ihren Namen aufgrund der Brenn- und Borstenhaare, die hauptsächlich die Blattoberseite der grünen Pflanze bedecken. Bei Berührung spüren wir Menschen zunächst ganz schnell einen brennenden, juckenden Schmerz. Bald darauf kann es zu Quaddeln kommen, die ebenfalls sehr schmerzhaft sind. Die Brennnessel ist sehr vielfältig. Manche sehen in ihr lediglich ein lästiges Unkraut im Garten.

Für andere ist sie eine Art Lebensmittel und Heilpflanze, denn ihre jungen Triebe werden gerne als Frühjahrsgemüse gegessen oder wirken als Brennnesseltee beispielsweise zur Entschlackung, entzündungs- und schmerzlindernd, gegen Hautunreinheiten oder helfen bei Blasenentzündungen. Ferner diente die Brennnessel schon vor Jahrtausenden der Fasergewinnung bei der Stoffherstellung. Auch als Färberpflanze kann sie ebenso ihre Bestimmung finden wie zur Düngung und zur Schädlingsbekämpfung. Die Brennnessel kann also Freund und Feind des Gartenbesitzers sein.

Brennnesseljauche oder Brennesselbrühe?

Wer darauf achtet, weder Mensch noch Pflanzen oder Tieren zu schaden und dennoch eine erfolgreiche Ernte sowie blühende, gesunde Blumen, Stauden und Sträucher im Garten sein Eigen nennen zu können, der verzichtet auf Pestizide, auf Umweltgifte, und greift zur Brennnessel. Selbst in anerkannten Garten-Fachliteraturen ist hierzu von der Brennnesseljauche oder der Brennnesselbrühe die Rede. Wo aber liegt der Unterschied? Die Antwort ist ganz einfach: Brennnesselbrühe ist frische Brennnesseljauche und stinkt viel weniger. Brennnesselbrühe hilft gegen Läuse, Spinnmilben und Ameisen, Brennnesseljauche enthält viel Stickstoff und ist daher besonders gut zum Düngen geeignet.

Sowohl die Brennnesselbrühe als auch die Brennnesseljauche sind einfache aber wirkungsvolle Helfer im Garten und können ganz mühelos selber hergestellt werden.

Anleitung zum Selbermachen

Bitte folgende Dinge bereit halten:

  • gute, feste Gartenhandschuhe oder besser noch Lederhandschuhe
  • kleines Messer oder Schere
  • einen Holzlöffel oder einen Stock
  • einen Eimer, ein Steingefäß oder ein Glas mit mindestens 12 Liter Fassungsvermögen
  • Wasser
  • etwa 1 kg frische Brennnesseln (oder ca. 200 g getrocknete Brennnesseln)
  • ein altes Sieb
Brennessel zerkleinern
Lunov Mykola/shutterstock.com

So gelingt es in wenigen Schritten

Zu Beginn muss natürlich die Brennnessel „geerntet“ werden. Am besten im eigenen Garten oder weit ab vom Straßenverkehr, damit möglichst wenige Schadstoffe mit der Pflanze in Ihre Jauche kommen. Dazu zieht man sich am besten dicke Handschuhe über, um den lästigen Verbrennungen durch die Pflanze zu entgehen. Mit einem kleinen Messer – besser noch mit einer Schere – werden die Pflanzen bis kurz vorm Boden abgeschnitten.

Tipp: Wer im Mai erntet, erhält ein sehr stickstoffreiches Ergebnis. In späteren Monaten überwiegen Schwefel, Calcium, Eisen und Magnesium.

Nach der „Ernte“ werden die Brennnesseln zerkleinert und in ein großes Gefäß gelegt. Dieses füllt man solange mit kaltem Wasser auf, bis die Brennnesseln vollständig bedeckt sind. Ideal ist Brunnen- oder Regenwasser, da unser Leitungswasser oft zu kalkhaltig ist. Kalk könnte den Pflanzen schaden. Anschließend muss alles kräftig umgerührt werden. Jetzt stellen Sie das Ganze am besten an einen warmen sowie sonnigen Platz, damit die Gärung schneller vollzogen werden kann. Idealerweise spannt man noch ein Netz oder legt ein Tuch drüber, damit nichts reinfällt. Wegen des späteren Gestanks, sollten Sie sich genau überlegen, in welchem Raum das Gefäß stehen soll. Bitte täglich umrühren!

Brennnesseljauche absieben

Nach rund drei Tagen beginnt es zu stinken, oder freundlicher ausgedrückt: es riecht stark nach Ammoniak. Die Zugabe von etwas Gesteinsmehl dämmt den Geruch ein klein wenig ein. Nach frühestens einer, besser noch nach zwei bis drei Wochen ist die Brennnesseljauche fertig. Der Geruch ist weiterhin heftig, jedoch hat sich die Optik geändert: Es gibt keine Bläschen mehr, die Blätter haben sich stark zersetzt und die Flüssigkeit ist dunkel. Nun kann die Brennnesseljauche abgesiebt werden. Die restlichen Pflanzenteile können zum Kompost kommen. Die übrig gebliebene Flüssigkeit wird verdünnt als Dünger genommen.

Wer lieber Brennnesselbrühe haben möchte, weil er Schädlinge bekämpfen will, verkürzt die Prozedur, indem er – noch ehe es beginnt penetrant zu stinken – Flüssigkeit entnimmt und unverdünnt zur Bekämpfung von Läusen, Spinnmilben oder Ameisen einsetzt. Bereits 12 bis 24 Stunden nach dem Ansetzen des Suds kann man die Brennnesselbrühe zur Anwendung bringen.

Wie vertreibt man Läuse?

Nehmen Sie die unverdünnte Brennesselbrühe und befeuchten Sie damit die befallenen Pflanzenteile. Bei größeren Pflanzen kann das mittels einer Gießkanne vorgenommen werden, kleinere Blätter etwa sind mit einer Pipette oder einer Spritze zu behandeln. Der Vorgang wird nach ein paar Tagen wiederholt, bis die Pflanze von den Schädlingen und deren Eiern befreit ist. Wer mag kann vorbeugend die komplette Pflanze begießen oder sogar einmal monatlich behandeln.

Wie düngt man richtig?

Man gebe die Brennnesseljauche im richtigen Verhältnis mit Wasser vermischt – siehe weiter unten – in eine Gießkanne. Anschließend wird damit die Erde um die Pflanze herum befeuchtet. Gedüngt werden können alle Pflanzen, die viele Nährstoffe für ihr Wachstum benötigen. Düngungen mit Brennnesseljauche stärken die Pflanze, regen das Wachstum an und machen sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten.

Brennesseljauche selber machen
Milan Vachal/shutterstock.com

Brennnesseljauche selber machen: Wie muss das Mischverhältnis aussehen?

Bitte verwenden Sie die richtige Dosierung! Ihre Pflanzen werden es Ihnen danken. Ein Zuviel kann Verbrennungen hervorrufen. Die Faustregel fürs Mischen sollte sein:

  • stark zehrendes Gemüse und ältere Pflanzen 1:10
  • Setzlinge und junge Pflanzen 1:20
  • Rasen 1:50

Diese Pflanzen profitieren von der Jauche

Im Folgenden ein kleiner Überblick über die häufigsten Gartenpflanzen, die sich über regelmäßiges Düngen mit Brennnesseljauche freuen:

  • Die meisten Gartenblumen wie beispielsweise Dahlien und Geranien
  • Zierhölzer
  • Rosen
  • Lauchgewächse
  • Kürbisse/Zucchini
  • Brokkoli
  • Kohlgewächse
  • Tomaten
  • Kartoffeln
  • Gurken
  • Paprika
  • Sellerie
  • Kräuter
  • Rasen

Erdbeeren und Erbsen bitte nicht so oft mit Brennnesseljauche düngen!

Häufig gestellte Fragen

Hier zusammenfassen einige der am häufigsten gestellten Fragen und die passenden Antworten:

  1. Wie lange muss die angesetzte Brennnesseljauche stehen, ehe man sie verwenden kann?
    Antwort: Je nach Wärme am besten zwei bis drei Wochen.
  2. Wie oft kann man mit Brennnesseljauche düngen?
    Antwort: Junge und weniger kräftige Pflanzen sollten ein bis zweimal die Woche gedüngt werden. Bei gut wachsenden, kräftigen Pflanzen reicht eine Düngung alle ein bis zwei Wochen.
  3. Wie wird gedüngt?
    Antwort: Den Sud direkt auf den Wurzelbereich gießen. Idealerweise an trüben Tagen, damit die Sonne die Pflanzen nicht verbrennt.
  4. Können die Pflanzen überdüngt werden?
    Antwort: Siehe Punkt 2 „Wie oft kann man mit Brennnesseljauche düngen?“. Wichtig ist jedoch, nicht bei praller Sonne zu gießen, da dadurch die Pflanze verbrennen kann.
  5. Wie werden Schädlinge bekämpft?
    Antwort: Am besten mit Brennnesselbrühe arbeiten. Man kann jedoch auch 1:10 verdünnte Brennnesseljauche nehmen. Es empfiehlt sich, die betroffenen Pflanzenteile direkt damit zu befeuchten. Wer vorbeugen möchte, kann die komplette Pflanze besprühen. Der Vorgang sollte nach ein paar Tagen wiederholt werden, um frisch geschlüpfte Schädlinge zu beseitigen.
  6. Welche Inhaltsstoffe sind in der Brennnesseljauche?
    Antwort: Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium, Mangan sowie die Vitamine A, B, C und K. Desweiteren beinhaltet Brennnesseljauche Kieselsäure.
  7. Wie wirkt sich die Düngung aus?
    Antwort: Die Pflanzen wachsen besser, ihr Grün wird intensiver und sie sind resistenter gegen Schädlinge.

Selbstgemachte Brennnesseljauche: Das Fazit

Die Berührung von Brennnesseln verursacht Schmerzen, aber die Brennnessel kann zum Freund des Menschen werden, wenn man sie entsprechend – respektvoll – behandelt. Sie unterstützt unsere Gesundheit, reichert unseren Speiseplan an und bietet einen umweltfreundlichen, wirkungsstarken, schnell und einfach selber herstellbaren Dünger sowie Schädlingsbekämpfungsmittel. Und das alles ganz kostenlos!

Bildquelle Titelbild:

  • hikmet2016/shutterstock.com
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