Pflege, Ernte und Trocknen von Tabakpflanzen


Mit den Dorn werden die Löcher in die Blätter gemacht Eine ausreichende belüftung ist wichtig 6-8 Wochen sollten die Blätter schon trocknen
Ein Dorn als Hilfe zum Auffädeln der Blätter Luftbewegung ist wichtig 6-8 Wochen müssen sie trocknen


Bei den Tabakpflanzen muss darauf geachtet werden, das sie immer genug Feuchtigkeit haben und gut durchgehackt werden. Nach einer gewissen Zeit stellen sich die Blüten ein. Als Hobbygärtner kann man sie an der Pflanze lassen, die Blütenblätter und Saatkörner verursachen aber braune Stellen auf dem Tabakblatt. Einige Blüten lasse ich immer an der Pflanze um für das nächste Jahr wieder Saat zu haben.

Man sollte folgender Maßen vorgehen:
Die Pflanzen müssen geköpft und gegeizt werden. Beim Köpfen werden die Blütenstände mit einigen darunter sitzenden Blättern ausgebrochen oder abgeschnitten, damit die Blätter zu einer stärkeren Entwicklung angeregt werden. Wird sehr früh geköpft, wenn also die Knospen eben erst sichtbar geworden sind und noch zwischen den obersten Blattspitzen stehen, bezeichnet der Fachmann dies als "tief köpfen". Umgekehrt spricht er vom "hoch köpfen", wenn erst bei Beginn der Blüte geköpft wird.

 Schon wenige Tage nach dem Köpfen bildet die Pflanze an den obersten Blattansätzen Seitentriebe aus, die "Geize" genannt werden - sie müssen ebenfalls entfernt oder "gegeizt" werden. Zwar wird dadurch der Pflegeaufwand größer, in der Praxis haben das Köpfen und Geizen jedoch viele Vorteile:
- die Blattqualität steigt insbesondere bei Zigarren-  und Pfeifentabaken erheblich;
- die Blätter entwickeln sich in Größe und Reife gleichmäßiger; - der Ertrag steigt um bis zu 15%;
- der Hauptherd für den gefährlichen  Blauschimmelbefall, die herabfallende Blüten, ist ausgeschaltet.

Vor der Ernte muss man sich Gedanken machen für was man die Tabakblätter verwenden will.: Zigarrentabak wird tief geköpft, die Blütenstände also unmittelbar nach ihrem Aufbrechen entfernt. Dabei werden etwa 10-15 cm unterhalb des untersten Blütenzweiges die Blütenstände  entfernt. 
Pfeifenschnittgut für  Pfeifen ist wie  Zigarettentabak zu behandeln, während Schnittgut für lange Pfeifen wie Zigarrentabak tief geköpft wird.
Durch Köpfen und Geizen kann auch das Wuchsverhalten unterschiedlich wachsender Pflanzen angeglichen werden. Die in der Entwicklung zurückgebliebenen Pflanzen werden weniger tief geköpft, um dadurch eine gleichmäßige Entwicklung sämtlicher Pflanzen herbei zu führen.
Sofort nach dem Köpfen beginnt die Pflanze zu Geizen:
Die Geize (Nebentriebe) müssen seitlich ausgebrochen werden. Dazu drückt man sie mit dem Finger vorsichtig etwa 1-2 cm von der Ansatzstelle entfernt seitlich ab, ohne die Pflanze zu verletzen. Diese Arbeit wird, ebenso wie das Köpfen, am besten an trockenen Tagen in der Mittagszeit vorgenommen, weil dann die Blätter am wenigsten leicht brechen. Durch das Köpfen und geizen erhält man eine bessere und größere Ernte.


Mit einer Dachlatte und langen Nägel läßt sich schnell eine trocknungsanlage bauen Auch hier auf genügend Luftbewegung achten Diese Tabakblätter sind für Zigarettentabak gadacht
Eine Dachlatte mit langen Nägel zum Trocknen Luftbewegung ist auch hier wichtig Tabakblätter für Zigaretten


Die Blätter des Tabaks reifen ganz allmählich während 6-8 Wochen von unten nach oben. Sie werden dabei erst heller, dann verfärben sie sich lichtgrün, schließlich gelb und braun, bis sie abfallen. Zuerst reifen die untersten, kleinen Blätter, die "Grumpen", die meist schon bald nach dem Köpfen gelb oder braun werden und nicht verwendet werden, ein wenig später reifen die 3-4 "Sandblätter", die schon die volle Größe besitzen, besonders nikotinarm und reich an ätherischen Ölen und Harzen sind . Bei Zigarren werden sie als Umblatt für die Einlage benutzt. 

Das Mittelgut wird etwa acht Tage nach der Ernte der Sandblätter reif, das Hauptgut (Einlage bei Zigarren) wird wiederum zwei bis drei Wochen später reif. Schließlich folgt das Obergut, dann der "Nachtabak", zu dem alle im Spätherbst noch nicht reif gewordenen Blätter gerechnet werden. Sie sind für Zigarrentabak, Deck- Umblätter nicht geeignet.

Die richtige Ernte ist besonders wichtig für eine gute Tabakqualität, wobei die Blätter je nach Verwendung unterschiedlich geerntet werden:

 Zigarrentabak (Einlage) sowie Pfeifentabak (Lange Pfeifen):
 Zigarrentabak darf im besten Fall keinen Zucker enthalten, damit der typisch alkalische Rauch entsteht. Deshalb wird Zigarrentabak  in einem vorreifen Zustand geerntet, wenn es noch tiefgrün ist und sich gerade eben heller verfärbt. Das Blatt ist dann noch sehr vital, kann auch nach der Ernte Zuckerstoffe abbauen  und gibt während der Trocknung das Wasser nur sehr langsam ab.
 
 Zigarettentabak sowie Pfeifengut (Kurze Pfeifen): 
 Zigarettenfeinschnitt hat einen typischen sauren Rauch, der Tabak muss möglichst viel Zucker enthalten. Deshalb werden die Tabakblätter vollreif geerntet, wenn sie schon hellgrün werden, gelbe Flächen oder Ränder bekommen. Derartige Blätter haben kaum noch Vitalität, die Abbauprozesse sind bereits in vollem Gange. Sie geben bei der Trocknung ihr Wasser verhältnismäßig schnell ab, so dass das Blatt kaum noch Gelegenheit hat, die Zuckerstoffe (Kohlehydrate) zu veratmen. Die gelbreifenden Virginia-Sorten zeigen bei Vollreife auf der ganzen Blattfläche einen gelblich-grünen Farbton.

Ernte von Zigarrendeckblättern:
Zigarrendeckblätter benötigen eine hohe "Zügigkeit", müssen also dünn, elastisch und geschmeidig sein und dürfen nur schwer reißen. Als Deckblätter eignen sich nur Blätter, die möglichst im Schatten gereift sind, also Sand- und teilweise Mittelgut. Sie gehen jedoch schnell von einem Reifezustand in den anderen über. Daher muss zur Deckblatternte in der ersten Erntehälfte regelmäßig der Bestand durchgegangen werden, so dass die für die Deckblattherstellung geeigneten Blätter genau im richtigen Vorreife-Zustand geerntet werden können.

Zur Ernte wird der Bestand 2-3 Mal je Wochedurchgesehen und die reifen Blätter von unten nach oben geerntet, jeweils etwa 3-4 Blätter pro Pflanze. Über 6-8 Wochen wird so zuerst das untere Sandgut geerntet, dann in mehreren Durchgängen erst das Mittel-, dann das Hauptgut, schließlich noch das Obergut. Die obersten Blätter haben allerdings eine geringe Qualität und werden teilweise gar nicht mehr reif. Sie sollten nur geerntet werden, wenn sie mindestens 25 cm lang sind und Zigarettentabak hergestellt wird. 
Wenn Anfang April gesät wurde, beginnt die Tabakernte etwa Ende Juli, also etwa 60 Tage nach dem Auspflanzen. Im August werden dann die mittleren, im September die oberen Blätter reif. Da das Obergut für Zigarren nicht geeignet ist und die Blätter vorreif geerntet werden, können Zigarrentabake im Kleinanbau noch bis in den Juli ausgepflanzt werden.


Nach einer Woche sieht man den Blättern schon die Trocknungsphase an Virgina Tabak beim trocknen Eine gute Ernte
Vollreife Tabakblätter Schöne große Virgina-Blätter Vorreife Tabakblätter


Trocknen der Tabakblätter
Bei der Trocknung von Tabakblättern sollen diese nicht einfach nur trocken werden: 
Pflanzeneigene Wirkstoffe (Fermente) beginnen den Abbau gespeicherter Reservestoffe wie Eiweiß, Zucker und Stärke sowie von Blattfarbstoffen, und zwar weit intensiver als das bei der späteren Fermentation geschieht. Deshalb muss langsam über mehrere Wochen getrocknet werden.  Die weitaus meisten Umwandlungsprozesse geschehen dabei während der Abwelkphase in der ersten Woche nach dem Aufhängen: Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollten in dieser Phase möglichst hoch sein, zumindest sollten Sie in der ersten Woche für eine gute Durchlüftung sorgen.
 
Nach einer Woche haben die Blätter durch die Wasserverdunstung über 50% ihres Gewichts verloren: Die Umwandlungsprozesse gehen viel langsamer vor sich, so dass die Blätter noch etwa 6 Wochen (Zigarettentabak) bzw. 12 Wochen (Zigarren) bei guter Durchlüftung hängen müssen
Wo soll ich trocknen?
Die Blätter müssen unmittelbar nach der Ernte  aufgehängt werden. Dabei werden Deck- Umblätter für Zigarren wieder anders behandelt als vollreif geerntetes Schnittgut: Zigarrentabak (Einlage) mit noch grünen, sehr vitalen Blättern müssen dunkel gehängt werden, während das  Schnittgut für Zigarettentabak auch im Licht hängen darf. Die Trocknungs-Orte müssen zugig sein oder gut durchlüftet werden können, wofür Sie freie Flächen in Speichern, Scheunen, Schuppen oder unterhalb von Durchfahrten suchen sollten. Meist werden Dachräume zur Tabaktrocknung verwendet, wobei an die Seitensparren Querbalken zur Aufhängung des Tabaks genagelt werden können. Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich auch kleine überdachte Gestellbauten an einer Hauswand oder offen im Garten bauen; auch Gewächshäuser eigenen sich dafür, sofern sie gut belüftet werden können. 
Aufhängen der Tabakblätter:
Für eine gute Tabakqualität ist es zweckmäßig, die Ernte nach Blattarten vorzusortieren und später nur gleichartige Blätter zu bündeln. Bei der Hängung sollten auch Qualitätsunterschiede innerhalb einer Erntestufe getrennt, also gute Blätter separat von verletzten Blättern aufgehängt werden. Dies gilt besonders für Zigarrenum- und -Deckblätter, die keine Beschädigungen aufweisen dürfen. Vollreif geerntete Blätter für Zigaretten- und Pfeifenschnittgut, die dunkelgrüne Flecken aufweisen, müssen weggeworfen werden: Diese Stellen trocknen nicht mehr richtig, speichern zu viele Eiweiße und führen zu einem scharfen, kratzenden Geschmack. Es ist auch von Vorteil, für dieses Schnittgut nochmals nach Reifegrad zu unterscheiden und die eher reiferen Blätter separat von den weniger reifen Blättern zu hängen.
Auffädeln der Tabakblätter:
Zum Trocknen werden die Frischblätter traditionell auf Schnüre gereiht und zwischen Holzbalken aufgehängt, andere Methoden sind für Kleinmengen große Nägel in eine Dachlatte nageln und die Tabakblätter daran aufspießen. Am einfachsten geschieht dies mit Hilfe einer Tabaknadel, oder eines ähnliches Werkzeug,  einer 20-25 cm langen, relativ stumpfen Nadel aus flachgewalztem Stahl, die es bis in die 1960er Jahre noch im Eisenwarengeschäft zu kaufen gab. Zum Aufhängen wird Tabakgarn verwendet, ein relativ starker, dreidrahtiger Flachsgarn. 
Die meisten anderen Zellwollschnüre sind nicht geeignet, da sie durch die längere Zeit einwirkende Feuchtigkeit an der Fädelstelle faulen und schließlich brechen. Dünne Kunststoffschnüre sind nicht empfehlenswert, sie schneiden sich mit der Zeit in die Blattrippe. Die Länge der Schnüre richtet sich nach dem Sprossenabstand der Trockengerüste, der in aller Regel zwischen 1-1,25 Meter liegt. 2 Meter lange Schnüre reichen hierfür aus. 
Für das Auffädeln wird ein Blatt  in die linke Hand genommen und das Blatt mit Daumen und Mittelfinger der rechten Hand gefasst, dann der Blattstiel etwa 2 cm vom Stielende entfernt seitlich durch den Rippenrücken, also parallel zur Blattfläche durchstochen. Das Blatt hängt also längs zur Schnur und überschneidet sich mit den Nachbarblättern. So wird ein Blatt nach dem anderen aufgefädelt und im Abstand von 3-4 Fingerbreiten zum letzten Blatt auf den Garn geschoben, so dass am Ende 30-40 Blätter pro Schnur aufgefädelt sind. Der Abstand zwischen den Blättern muss so groß sein, damit die Luft zwischen den Blättern durchziehen und kein Schimmel an Blattberührungsstellen entstehen kann. Er richtet sich auch nach der Größe der Blätter: 
Gute Zigarrenblätter, Deck- und Umblätter werden großzügiger oder einzeln aufgehängt. Schließlich wird die Schnur zwischen zwei Sprossen waagerecht aufgeknüpft.

Nach der abgelaufenen Trocknungszeit wird mit dem Fermentieren begonnen.  

 

Im Treibhaus gezogene Blätter eibnen sich besser für Zigarren Wenn die Deckblätter der Knospe so braun sind kann man bald "Neue Saat" ernten Satt nehmen für das nächste Jahr
Tabakblätter für Zigarren Die Saatkörner sind reif Wenn die Knospen braun sind kann man die Saat ernten